Fünf Fragen zur neuen EU-Offenlegungsverordnung für Finanzunternehmen

Eine der Schwierigkeiten für verantwortliche Investoren ist der Mangel an gemeinsamen Regeln, Daten und einer einheitlichen Terminologie zur Definition von Strategien und Ergebnissen. Die Offenlegungsverordnung (Sustainable Finance Disclosure Regulation, kurz SFDR) der Europäischen Union (EU) ist ein Versuch, dieses Problem zumindest teilweise zu lösen.

Was ist die SFDR?

Die SFDR, die dieses Jahr in Kraft tritt, gibt Assetmanagern wie AXA IM einen Rahmen für die Berichterstattung über den Umgang mit ökologischen, sozialen und governancebezogenen Faktoren (ESG-Faktoren) für das Gesamtunternehmen wie für einzelne Produkte vor. Dadurch sollen Kunden besser vergleichen können, wie Assetmanager wichtige Nachhaltigkeitsthemen wie den Klimawandel angehen.

Assetmanager werden ausführlicher berichten, wie nachhaltig ihre Finanzprodukte sind, was die Vergleichbarkeit erhöht. Dazu zählen:

  • Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken, beispielsweise des Risikos von Wertverlusten der Basiswerte von Portfolios aufgrund umweltbezogener oder sozialer Vorfälle
  • Berücksichtigung der wichtigsten nachteiligen Auswirkungen von Investmententscheidungen auf die Nachhaltigkeit, und zwar sowohl in puncto Umwelt, Soziales und Mitarbeiter als auch im Zusammenhang mit Menschenrechten, Korruption und Bestechlichkeit
  • Nachhaltige Investments in wirtschaftliche Aktivitäten, die zur Erreichung von ökologischen und sozialen Zielen beitragen Dazu zählen auch Aktivitäten, die nach der EU-Taxonomie als nachhaltig gelten.

Welche Produkte sind betroffen?

Die SFDR gilt für alle Produkte, die von EU-Unternehmen gemanagt werden. Besonders betroffen sind Strategien, deren Anlageentscheidungen auf Grundlage von ESG-Kriterien erfolgen.

Es gibt drei verschiedene Kategorien, jeweils benannt nach dem entsprechenden Artikel der SFDR:

  • Artikel 6: Produkte, die Nachhaltigkeitsrisiken nur beurteilen und angehen
  • Artikel 8: Produkte, die damit werben, umweltbewusst und sozialverträglich zu sein und ESG-Kriterien systematisch in ihren Investmentprozess integrieren 
  • Artikel 9: Produkte mit explizitem Nachhaltigkeitsanspruch, die neben einem finanziellen auch klare ökologische oder soziale Ziele verfolgen Sie streben an, negative Auswirkungen auf Umwelt, Gesellschaft und Mitarbeiter so weit wie möglich zu verringern und die Anerkennung der Menschenrechte sowie die Korruptions- und Bestechlichkeitsbekämpfung bei ihren Investmententscheidungen zu berücksichtigen.

Dank der SFDR werden Assetmanager jetzt angeben können, welcher Anteil ihres verwalteten Vermögens gemäß Artikel 6, 8oder 9 gemanagt wird.

Welche Art von Informationen wird veröffentlicht?

Für alle Produkte muss gemäß der SFDR ein Bericht erstellt werden. Sogar bei Strategien ohne ESG-Anspruch müssen Kunden informiert werden, wie Nachhaltigkeitsrisiken bei den Anlageentscheidungen berücksichtigt werden und welche Folgen diese Risiken für die finanziellen Ergebnisse haben können (Produkte gemäß Artikel 6).

Für Produkte, die unter Artikel 8 oder 9 fallen, gibt es detailliertere Anforderungen. Assetmanager müssen Folgendes veröffentlichen:

  • Einzelheiten dazu, wie die Investmentstrategie ESG-Eigenschaften oder Nachhaltigkeitsziele berücksichtigt. Das gilt auch für die angestrebte Asset-Allokation
  • Einzelheiten zu dem/den ESG-Ziel(en) und eine Aufstellung der unterschiedlichen Investmentkategorien
  • Einzelheiten dazu, wie negative Auswirkungen erfasst und vermindert werden und wie Positionen, die den Nachhaltigkeitszielen schaden, herausgefiltert werden
  • Einen Überblick über die anwendbaren Nachhaltigkeitsindikatoren
  • Informationen über die Vereinbarkeit des Einsatzes von Derivaten mit den ESG-Zielen des Produkts

Gibt es weitere Änderungen?

Eine weitere Offenlegungspflicht der SFDR betrifft größere Assetmanagement-Unternehmen. Sie müssen auf ihrer Website die möglichen negativen Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft aller ihrer Positionen und Einzelheiten über das Engagement bei Geschäftsleitungen veröffentlichen.

Auch hier setzen die neuen Vorschriften einheitliche Standards, die alle Unternehmen einhalten müssen. Insgesamt gibt es 18 Punkte, über die Investmentunternehmen umfassend berichten müssen.

Warum wurden die SDFR jetzt eingeführt?

Der Bereich Verantwortliches Investieren ist in den letzten Jahren zunehmend gewachsen und damit auch der Umfang der mess- und verifizierbaren Daten. Deshalb kann man ESG-Ergebnisse mittlerweile erheblich besser quantifizieren und vergleichen. Die Einführung der SFDR ist ein Beleg für diese erfreuliche Entwicklung. Sie zeigt aber auch, wie wichtig Nachhaltigkeit auch für die Politik geworden ist. Die SFDR ist Teil der umfassenden Bemühungen der Europäischen Union, Kapital in nachhaltigere Geschäftsmodelle umzuleiten. Allgemeiner gesagt ist sie Teil eines internationalen Trends, zu dem auch Selbstverpflichtungen wie die im Rahmen des Pariser Klimaabkommens zählen.

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