Studie zum Pensionskassenwissen der Schweizer Bevölkerung

Höheres Pensionierungsalter und tiefere Renten finden mehr Zustimmung

  • Die Notwendigkeit einer Reform der Altersvorsoge wird heute von viel mehr Personen anerkannt als vor vier Jahren
  • Zur Finanzierung von Abfederungsmassnahmen stimmt jeder dritte Befragte dem temporären Umlageverfahren in der 2. Säule zu
  • In Sachen Reformvorschlag geniesst der eigene Arbeitgeber viel Vertrauen; den politischen Parteien wird am wenigsten vertraut

AXA Investment Managers Schweiz hat zum zehnten Mal eine Untersuchung zum Wissensstand und zur Einstellung der Schweizer Bevölkerung gegenüber der 2. Säule durchgeführt. Die Studie zeigt: Vier von fünf PK-Versicherten erachten eine Reform der Altersvorsorge als notwendig, und die Einsicht, dass Rentenkürzungen und die Erhöhung des Rentenalters zur Sicherung der Altersleistungen wohl unumgänglich sind, hat deutlich zugenommen. Die beliebteste Korrekturmassnahme zur Sicherung der Altersvorsorge ist nach wie vor das freiwillige, steuerbegünstigte Sparen. Die Studie spricht auch das Thema Solidarität in der 2. Säule an.

Durchzogenes Wissen

Dr. Werner E. Rutsch, Mitglied der Geschäfstleitung von AXA Investment Managers Schweiz, erklärt: «Das Thema Vorsorge beschäftigt die Schweizer Bevölkerung. 73 Prozent der PK-Versicherten geben an, sich grundsätzlich für die Altersvorsorge zu interessieren. Mit einem Anteil von 85 Prozent ist das Interesse unter aktiv Versicherten im Alter von 42 bis 65 Jahren am höchsten; von den Pensionierten geben nur 58 Prozent an, sich mit dem Thema Altersvorsorge auseinanderzusetzen.» Als wichtigste Gründe für mangelndes Interesse werden neben «schon pensioniert zu sein» die hohe Komplexität, keinen Einfluss darauf zu haben, noch zu jung zu sein, und im Alter sowieso kein Geld mehr zu erhalten, genannt.

Die in der Studie gestellten Wissensfragen zur beruflichen Vorsorge wurden mit gemischten Resultaten beantwortet. Die Schätzfrage nach der Höhe der erwarteten Rente aus AHV und Pensionskasse bei Pensionierung in Prozent des letzten Lohnes lieferte z.B. eine breite Bandbreite an Antworten: von 0 bis 100 Prozent war alles vertreten. Im Durchschnitt rechnen die PK-Versicherten mit 56 Prozent des letzten Lohnes, wobei Frauen (53 Prozent) weniger erwarten als Männer (59 Prozent). Rutsch erläutert: «Dass passiv Versicherte mit 62 Prozent einen deutlich höheren Wert angeben als aktiv Versicherte (54 Prozent), ist einerseits darauf zurückzuführen, dass Pensionierte die Höhe der effektiven Rentenzahlungen bereits kennen, andererseits spiegelt dieses Resultat die Skepsis der Erwerbstätigen und die Herausforderungen der Altersvorsorge.»

Dauerbrenner Kapitalbezug und Rentenalter

Würden die Befragten heute in Pension gehen, entschiede sich rund jeder Zehnte (11 Prozent) für den reinen Kapitalbezug – vor drei Jahren war es noch jeder Fünfte. Am meisten Zustimmung findet diese Auszahlungsvariante unter den 25- bis 41-Jährigen (17 Prozent). 55 Prozent wünschen sich die Auszahlung des Vorsorgevermögens in Form einer monatlichen Rente, und 32 Prozent würden heute eine Mischung aus Rentenzahlung und Kapitalbezug wählen. Frauen sind dabei eher für eine Rente als Männer, und je weiter links die Befragten politisch ausgerichtet sind und je geringer ihr erwerbstätiges Arbeitspensum ist, desto eher beabsichtigen sie den Bezug einer monatlichen Rente. «Zu berücksichtigen ist, dass es eine Diskrepanz gibt zwischen der Absichtserklärung und der bei Pensionierung effektiv gewählten Auszahlungsvariante», betont Rutsch. «2018 erfolgte ein Drittel der von Pensionskassen ausgerichteten Altersleistungen an Neubezüger in Form eines reinen Kapitalbezugs.»i

Die 2. Säule kann ihre Rentenversprechen langfristig nicht einhalten, und der Kapitalmarkt als «dritter Beitragszahler» liefert im Niedrigzinsumfeld schon seit mehreren Jahren nicht mehr die erforderlichen Beiträge. Zur Sicherung des Rentenniveaus gibt es verschiedene Vorschläge. Das freiwillige, steuerbegünstigte Sparen ist nach wie vor die beliebteste Variante: 86 Prozent der Versicherten stimmen dieser Massnahme «sicher» oder «eher» zu. Einzahlungen schon vor dem 25. Lebensjahr und die Förderung von freiwilliger Teilzeitarbeit ab 65 Jahren werden von 73 respektive 72 Prozent der Befragten akzeptiert. Mit einer Zustimmungsquote von nur 23 Prozent am wenigsten populär ist die Kürzung der Renten. Vor zwei Jahren lag diese Quote allerdings bei noch tieferen 15 Prozent. Rutsch erklärt: «Es fällt auf, dass heute sowohl ein höheres Pensionierungsalter als auch tiefere Renten eher akzeptiert werden als in früheren Jahren. Das dürfte eine Folge davon sein, dass die Realität des Zustands der 2. Säule und die demografischen und wirtschaftlichen Herausforderungen von Pensionskassen immer mehr in den Vordergrund treten.»

Wer kennt den Reformvorschlag?

Im September 2017 hat der Souverän die beiden Vorlagen der Reform Altersvorsorge 2020 abgelehnt. Seit letztem Jahr wird in Bern ein neuer Reformvorschlag für die 2. Säule diskutiert. 78 Prozent der PK-Versicherten finden, dass eine Reform der Altersvorsorge notwendig ist; 2016 waren es erst 59 Prozent. Vor allem politisch eher links ausgerichtete Personen und aktiv Versicherte zwischen 25 und 41 Jahren erachten heute eine Reform als deutlich notwendiger als noch vor vier Jahren. Vor diesem Hintergrund etwas erstaunlich ist, dass in dieser Altersgruppe nur 53 Prozent der Befragten angeben, den Reformvorschlag zu kennen – insgesamt sind es nach eigenen Angaben 68 Prozent der Männer und 57 Prozent der Frauen. Mehr als die Hälfte der Befragten geben an, nicht zu wissen, worum es geht.

Die diesjährige PK-Studie von AXA Investment Managers Schweiz geht der neuen Vorsorgereform mit konkreten Fragen zu den vorgeschlagenen Massnahmen auf den Grund. Eine Senkung des Umwandlungssatzes finden 31 Prozent der Versicherten «sehr gut» oder «eher gut». Eine Halbierung des Koordinationsabzugs von rund 25 000 Franken und die Anpassung der altersbedingten Beiträge würden 60 respektive 64 Prozent akzeptieren, einer finanziellen Abfederung der ersten 15 betroffenen Jahrgänge stimmen 57 Prozent zu.

Die Solidarität ist gross

Die Grundidee der 2. Säule ist, dass die einzelnen Versicherten ein individuelles Guthaben anhäufen, das nach Pensionierung ihre Leistungen finanziert (Kapitaldeckungsverfahren) – dies im Gegensatz zur AHV, die auf dem Prinzip der Deckung laufender Ausgaben durch die laufenden Einnahmen basiert (Umlageverfahren). Soll das Umlageverfahren der 1. Säule für eine befristete Zeit auch zur Finanzierung der Leistungen in der 2. Säule angewendet werden? Nur jeder dritte Befragte stimmt diesem Vorschlag zu.

Als Hauptgründe für die Befürwortung des temporären Umlageverfahrens in der 2. Säule werden genannt: weil die Altersvorsorge finanziert werden muss, das Umlageverfahren sorgt für stabile Renten, aus Solidarität, die jüngere Generation soll für die ältere sorgen, und weil die Renten bereits zu tief sind. Diejenigen, die das Umlageverfahren ablehnen, tun dies vor allem, um die Jungen nicht noch mehr zu belasten und weil sie die grundsätzlich andere Finanzierungsart (Kapitaldeckungsverfahren) der 2. Säule respektieren.

Und, zu guter Letzt, welchen Akteuren rund um den Reformvorschlags wird vertraut? 71 Prozent der Versicherten geben an, ihrem eigenen Arbeitgeber zu vertrauen. Ebenfalls hoch im Kurs steht Bundesrat Alain Berset (59 Prozent). Gewerkschaftsbund, Arbeitgeberverband, Gewerbeverband, Unia und Economie Suisse dümpeln mit einem Vertrauenswert von je um die 30 Prozent im Mittelfeld; den Medien und sozialen Netzwerken vertraut nur rund jeder Fünfte. Mit 14 Prozent abgeschlagen auf dem letzten Platz liegen die politischen Parteien.

Dr. Werner E. Rutsch fasst zusammen: «Es kommt Bewegung in die Diskussion über die 2. Säule. Reformmassnahmen, die noch vor wenigen Jahren auf geringe Akzeptanz stiessen, erhalten zunehmend Zuspruch. Es scheint, als ob die schweizerische Bevölkerung den Ernst der Lage zumindest teilweise erkannt hat.»

Alle Ergebnisse der Umfrage finden Sie online unter Studienergebnisse.

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Kontakt
Elke Schaller                                                Dr. Sabina R. Korfmann-Bodenmann
elke.schaller@axa-im.com                     s.korfmann@kccc.ch
+41 (0) 58 360 78 78                                   +41 (0) 43 244 87 37

 

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Methode
Die Studie basiert auf einer Befragung von 708 PK-Versicherten aus der Schweizer Bevölkerung ab 18 Jahren (inkl. Deutschschweiz, Westschweiz und Tessin) und umfasst 484 aktiv und 224 passiv Versicherte. Sie wurde zwischen dem 11. August und dem 11. September 2020 durchgeführt, mittels telefonischer Befragung (CATI) anhand Random-Quota aus dem Telefonbuch. Die Studie ist repräsentativ für die PK-versicherte Bevölkerung.

AXA Investment Managers
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i Quelle: https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/soziale-sicherheit/berichterstattung-altersvorsorge/neurentenstatistik.html